Stolberg um 1910
Das sind historische Ansichtskarten der Schule in der Rittergasse Stolberg/Harz.

Blick auf die und um die Jahrhundertwende erbaute Schule   Sicht vom Fußweg vom Rittertor her
Blick auf die und um die Jahrhundert-
wende erbaute Schule.

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  Sicht vom Fußweg vom Rittertor her.

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Aus Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg /Harz, Heft 4:


Stolberg um 1910


Von Wilhelm Zentgraf geb.03.05.1898 (1976)

In meiner schönen Jugendzeit, da gab es sehr viel Fröhlichkeit
beim Vogelschießen, Schützenfesten, auch mit den vielen Sommergästen,
die von nah und oft von fern nach Stolberg kamen, stets sehr gern.
Ein Vogel, der aus Holz gemacht, wurde auf dem Festplatz angebracht
und darauf wurd mit großer Lust mit der berühmten „Teil-Armbrust"
geschossen auf das große Ziel und alle hatten Freud am Spiel.

Bei diesem Fest, da wurde auch - das war seit Jahren schon so Brauch
„Tampeh" getanzt mit großem Schwung, mit Frohgefühl von alt und jung.
„Tampeh", Stolberger Tanz genannt, bei allen großen Anklang fand.
Der Tanz, den's heut wohl nicht mehr gibt, der war in Stolberg sehr beliebt,
war auch beliebt in Breitenstein und soll gekommen sein vom Rhein,
stammt noch aus der Franzosenzeit, so hieß es damals weit und breit.


Der Wahlspruch: „Frisch- fromm- fröhlich- frei" galt auch für Stolbergs Turnerei.
Im Sommer dann das Turnfest war für mich stets das allerbest.
Wir turnten in der Woch' einmal von acht bis zehn im Bürgersaal
am Reck, am Barren und am Pferd, benahmen uns wies sich gehört,
als gute Sportler allgemein und ich war stolz auf den Verein.
Wir trugen weiße Hosen lang, auch übten wir den Chorgesang
Und sangen gern und immer wieder die alten deutschen Turnerlieder.

Das Turnerfest in jedem Jahr stets an zwei Sommertagen war.
Am ersten Tag gings in die Schweiz, die für uns hatte großen Reiz.
Und auf dem Hunrod, gut bekannt, am zweiten Tag den Abschluss fand.
Am Abend zu dem Turnerball kam alles in den Bürgersaal.
Da herrschten Frohsinn, Heiterkeit in dieser schönen Friedenszeit.
Es wurde getanzt bis in die Nacht, ans Ende wurde oft nicht gedacht.

Doch wenn der Turnerball dann aus, ging jeder dann beschwingt nach Haus.
Mit frischem Mut und mit Elan fing nun die Arbeit wieder an.
Das war die gute alte Zeit in ihrer schlichten Einfachheit.
Und ein Erlebnis andrer Art war für mich stets die Wasserfahrt
mit Theodor und Heinrich Reich auf dem alten Mastenteich,
der heute Waldbad wird genannt von jedermann in Stadt und Land.
Dort lag ein Boot im Schilf versteckt, mit Segeltuch noch zugedeckt.
Dies Boot — für uns war es ein Kahn - hat es uns damals angetan.
Wir schlichen heimlich uns an Bord und ruderten dann munter fort.
Das war für uns ein großer Spaß, im Boot ich meistens vorne saß.
So fuhren wir auf dem Teich umher, mal geradeaus und auch mal quer.
Wir waren froh und wohlgemut weil alles ging so glatt und gut.

Auszug von Wilhelm Zentgraf geb.03.05.1898 (1976)
[Aus der Reihe: 'Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg/Harz, - 100 Jahre Schule, nach Erzählungen von Stolbergerinnen und Stolbergern', mit freundlicher Genehmigung von S. Oppermann.]