Quellen des Wissens

Die Postkutschenstation in der Niedergasse Blick in das Kalte Tal - noch ohne Fahrstraße Brunnen am Plan gegenüber dem Jägerhaus
Die Postkutschenstation in der Niedergasse.
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Blick in das Kalte Tal - noch ohne Fahrstraße.
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Brunnen am Plan gegenüber dem Jägerhaus.
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Vom Fotografen Hans Wiedling des Fotohauses Wiedling aus Stolberg/Harz stammen diese ältesten Fotos seines Ateliers zum Thema Stolberg/Harz. Diese Fotos mussten eingescannt werden und haben dadurch viel an ihrer fotografischen Qualität verloren - nicht aber an ihrem Seltenheitswert.


Aus Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg /Harz, Heft 4:
Die Quellen des Wissens
Von R. Sch. (1975)
Als mir in späteren Jahren ein Licht aufging über die Zusammenhänge der verschiedenen Lebensfragen, da wurde mir auch klar, was Otto Erich Hartleben mit seinem Urteil über die Stolberger gemeint hatte, sie trauten sich nicht in die Fremde und kehrten bald wieder zurück, wenn sie es dennoch einmal wagten. Dass diese Bemerkung nicht stimmen konnte, bewiesen ja schon die Sachsaer und Steinaer Treffen, bei denen einem bewusst wurde, wieviel Stolberger draußen in der Welt herumschwirrten. Wenn man weiter die allgemeine Kinderfreundlichkeit bedachte — Familien mit sechs Kindern war ein guter Durchschnitt -, dann war klar, dass der „Überschuß" laufend nach draußen gehen musste.
Aber in einer Beziehung hatten es die Stolberger sicher schwerer als andere: das war das Fehlen jeglicher Fortbildung. Wer noch das Pech hatte, 3 bis 4 Kriegsjahre als Ausbildungszeit zu haben, in der der junge Stamm der Lehrer zu den Soldaten eingezogen war, hatte es nicht leicht.
Bei der Eigenart der Stolberger, beim Sprechen alles über einen Artikel mit „mich" und „dich" zu erledigen, war ein arger Nachteil. Wer niemand hatte, bei dem er sich Rat holen konnte, war betrübt dran. An einen Lehrer kann ich mich noch genau besinnen. Es war auch einer von denen, die uns der Krieg übriggelassen hatte. Bei dem bestand die ganze Schule nur im Vorlesen der Tageszeitung. Was da alles zustande kam, war wirklich zwn Lachen. Da es sich meistens um Heeresberichte handelte, war das bei den französischen Namen nur zu verständlich. Da wurde aus einem Poincare ein Pioncares!
Was uns fehlte, das war vor allen Dingen die Gelegenheit zum Lesen. Außer dem Lesebuch der Schule besaß ich noch 2 Märchenbücher, die mein Lesebedürfnis befriedigen mussten. Ich weiß noch, wie an den langen Abenden sie wieder und wieder durchgelesen wurden und wie ich darauf wartete, dass die Petroleumlampe, die meine Großmutter mit hinausgenommen hatte um draußen etwas zu erledigen, wieder im Zimmer auftauchte. - Ja, Geduld musste ich schon aufbringen.
In diese Zeit fiel ein Ereignis, das meinem Bedürfnis entgegenkam. Meine Großmutter ging den Tag über zum Waschen und da hatte sie einige gutmütige Kunden dabei, die nichts dagegen einzuwenden hatten, wenn ich mich um die Mittagszeit bei der Großmutter einfand und nachsah, ob vom Mittagessen etwas für mich übriggeblieben war. — Denn wir Jungen hatten immer einen Mordshunger!
Einer dieser freundlichen Menschen war Robert Sander vorn an der Spritzenbrücke. Ich huschte mittags über die Brücke und von hinten ins Waschhaus. Die Großmutter rückte mir eine Sitzgelegenheit zurecht, und schon konnte ich aus meinem Topf löffeln. — Mir ist noch in Erinnerung, wie umweltfreundlich eine solche Wäsche gemacht wurde: Da hing ein Korb über einer Wanne, da wurde die Waschlauge hergestellt, indem Holzasche durchgefiltert wurde. Das war ein unbedingt umweltfreundliches Waschmittel, das unsere Gewässer noch nicht verschmutzte. Im Übrigen wurde der große Kesselherd mit Buchenholz gefeuert.
Als ich aber eines Tages wieder erschienen war, sah ich statt der üblichen Buchenscheite schwarze Kloben daliegen, die sich bei näherem Hinsehen als alte Bücher erwiesen. - Wie mir meine Großmutter sagte, stammten sie von einem Onkel, der Lehrer geworden war. Er war nach Kiautschou gezogen. Das erregte natürlich meine Phantasie.
Ich habe mir dann, ohne dass Großmutter es merkte, einige Bücher herausgesucht. Es waren schon sehr alte Bücher und hatten sicher schon Generationen als Quellen des Wissens gedient, ehe sie hier ein so unwürdiges Ende fmden sollten. Ich habe sie deshalb in ein völlig unbeschriebenes Blatt eingeordnet, denn ich wollte etwas von dem erfahren, was in der Welt so vor sich ging und deren Wogen sich draußen vor den Toren unserer abgelegenen Heimat brachen. Ich hatte jedenfalls einen bescheidenen Anschluss an die weite Welt gefunden.
Als dann der I. Weltkrieg ausgebrochen war, die deutsche Kolonie in China von den Japanern bekämpft wurde und auch der Flieger von Tsingtau in den Heeresberichten lobende Erwähnung fand, da wusste ich auch meinen unbekannten Freund in Gefahr.
Ich habe nichts von ihm gehört und gesehen. Nur seine Bücher habe ich von ihm noch besessen und habe daraus mein erstes Wissen geschöpft.


Autor: R. Sch. (1975)
[Auszug aus "das Vorwort aus der Reihe: 'Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg/Harz, - 100 Jahre Schule, nach Erzählungen von Stolbergerinnen und Stolbergern', mit freundlicher Genehmigung von S. Oppermann.]


Ein fröhliches Lied auf den Lippen
Ein fröhliches Lied auf den Lippen
ziehn wir in den Morgen hinaus.
Die Freude ist unser Begleiter,
die Sorgen, sie bleiben zu Haus.
holladri-öh, holladri-ho.

Die traulichen Hütten im Tale,
sie liegen und träumen noch sacht.
In Wäldern und Wiesen und Feldern
der Jubel der Vögel erwacht.

Von waldigen Bergen und Höhen
schaun wir in die Lande hinein.
Wie liegt unsre Heimat so friedlich
im strahlenden Sonnenschein!

Wir werden es nimmermehr dulden,
dass jemand den Frieden ihr stört.
Wir wollen ein einiges Deutschland:
Die Heimat uns allen gehört!

So kehren wir abends im Dämmern
von Freude erfüllt wieder heim,
ein fröhliches Lied auf den Lippen,
im Herzen den Sonnenschein.

 

Worte: H. Müller [Stolberg/Harz]
Weise: E. Ehrenberg [Stolberg/Harz]
Das Lied entstand in der Arbeit des Thomas-Müntzer-Ensembles der FDF Luftkurort Stolberg/Harz und wurde von diesem in seinem Programm gesungen. Für mich erstaunlich, dass auch bereits die Freie Deutsche Jugend der DDR von der Vereinigung Deutschlands sang.