Erinnerungen

Fachwerkhaus im Kalten Tal
 
Fachwerkhaus im Kalten Tal.
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Vom Fotografen Hans Wiedling des Fotohauses Wiedling aus Stolberg/Harz stammen diese ältesten Fotos seines Ateliers zum Thema Stolberg/Harz. Diese Fotos mussten eingescannt werden und haben dadurch viel an ihrer fotografischen Qualität verloren - nicht aber an ihrem Seltenheitswert.

Aus Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg /Harz, Heft 4:


Erinnerungen eines Stolbergers
Unbekannt (1974 )
Wenn es damals im Winter kalt wurde — und das war meistens die Norm — wurden Schlittschuhe und Schlitten hergesucht. Oder wir kauften neue für 95 Pfennige von Otto Büttner an der Marktstraße (heute Am Markt 12).
Wenn das Eis dann nur einigermaßen hielt, ging es mit Hurra zum Mastenteich im Ludetal (das spätere Waldbad). Dort war ein lustiges Treiben.
In Erinnerung ist mir noch, dass wir besonders die kunstvollen Kurven einiger Könner bestaunten. Noch mehr aber waren es die blitzenden Schlittschuhe der „besseren Liete", gegen die wir natürlich mit unseren verrosteten Schlittschuhen nicht ankamen. Aber wir kannten damals noch keinen Klassenkampf in Stolberg.
Wenn die Kälte andauernd und stark genug war, - was öfter der Fall war, der Schnee knirschte dann unter den Schuhen - , war die beste Zeit für das Einbringen des Eises.
Die Männer erschienen mit großen Eissägen und Eishaken auf dem Mastenteich und schnitten von einer Seite des Teiches die Eisfläche in Stücke. Diese wurden mit langen Eishaken an das vordere Ufer gezogen, wo aus Brettern eine Rampe gebaut war. - Es war uns auch jetzt klar, wozu das Teichufer vorn abgeschrägt war - . Dort polterten dann die herangezogenen Eisstücke in die vorgefahrenen Schlitten hinein, um in die Eiskeller gefahren zu werden . Für uns war das ein kurzweiliges Schauspiel. Wir hatten Glück, dass wir während des Abeisens nicht vom Teich vertrieben wurden. An sehr kalten Tagen dampften die freigewordenen Wasserflächen, und an der Oberfläche bildete sich sofort wieder eine dünne Eisdecke. Unser Vergnügen wurde dadurch nicht gestört, wir konnten ruhig weiterfahren, hineingefallen ist keiner in diese offenen Wasserlöcher, obwohl mancher dichte dran war.

 

Erinnerungen eines alten Stolbergers, unbekannt (1974)

Wenn man 60 — 70 Jahre rückwärts blickt, stellt man fest, dass heute vieles den Menschen erleichtert wurde. Vor allen Dingen, wenn man draußen in der sogenannten Weiten Welt gewesen ist.
Wie war das doch schön, als wir das Wasser nicht mehr Hunderte Meter weit vom „Ständer" holen mussten, sondern eine Wasserleitung ins Haus gelegt wurde! Jetzt brauchte nur der Wasserhahn aufgedreht zu werden, und das Wasser war da. Freilich, die Gelegenheit zum Schwätzchen fiel weg und ein Schritt zur Vereinsamung der Menschen war getan. Im Winter war das Wasserholen kein Vergnügen, wenn die strohumwickelte Pumpe wie ein bizarres Eisgebilde ausschaute.
Noch günstiger wirkte sich das „Elektrische" aus!
--- Jeden Abend musste die Funzel erst gereinigt und nachgesehen werden, ob noch genügend Petroleum drin und der Zylinder nicht gesprungen war. Sonst saß man im Dunkeln ---!
Ich denke noch an meine Märchenbücher, die ich so bei trautem Lampenschein las. Wenn meine Großmutter draußen noch was zu tun hatte, verschwand sie einfach mit der Lampe, ich konnte mich dann in Geduld üben und in Gedanken all die Bilder erstehen lassen. Das waren ausgezeichnete Übungen zur Stärkung der Geduld und der Nerven.
Das alles wurde mit einem Schlage anders als uns die Zentrale (sie befand sich auf dem Grundstück wo das spätere FRIWI-Werk entstand ) mit Strom belieferte und wir nur noch den Lichtschalter anzuknipsen brauchten, um Licht zu haben.
Aber den Vogel schossen die Kühlschränke ab, die das Problem der Kühlung so einfach lösten! — Vorher herrschten die etwas unbändigeren Eisschränke. Sie wurden täglich mit Eis gefüttert, das im Winter geerntet werden musste. Das Eis wurde in sogenannten Eiskellern aufbewahrt, wo es selbst den heißesten Sommer überdauerte (der Größte war dort, wo sich heute der Parkplatz am Saigerturm befindet ; von einem anderen (vom "Weißen Roß") ist noch der zugemauerte Eingang auf dem Graben zu sehen).

 

Autor: Unbekannt (1974)
[Auszug aus "das Vorwort aus der Reihe: 'Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg/Harz, Heft 4 - 100 Jahre Schule, nach Erzählungen von Stolbergerinnen und Stolbergern', mit freundlicher Genehmigung von S. Oppermann.]