Ein Jugendstreich

Der Heilige Martin, St. Martini-Kirche in Stolberg/Harz

 

 

 

 

 

 

Der Heilige Martin, St. Martini-Kirche
in Stolberg/Harz

Das Bild lässt sich zoomen.

Aus Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg /Harz, Heft 4:

Ein Jugendstreich von W. Zentgraf

Und jetzt, da fällt mir ein sogleich, ein sogenannter Jugendstreich.
Das war am Berg am Schützenhaus ich war gleich von der Schule aus
auf den kleinen Berg gegangen um dort Käfer einzufangen.
Dort lagen Fässer groß und klein, gestapelt und auch in Reihn;
Na und da hab ich wohl ungewollt ein Fass den Berg hinabgerollt.
Dabei hab ich mir nichts gedacht, vor Freude hab ich noch gelacht.
Doch mir verging die Freude bald, mir wurde heiß und wieder kalt,
weil's Fass nun immer schneller sprang und in eine Kindergruppe drang,
die auf dem Platz am Schützenhaus gerade spielte Katz und Maus.
Doch ist den Kindern nichts passiert, sie hatten blitzschnell reagiert,
indem sie gaben eilends Raum. So flog das Fass an einen Baum
wo es mit lautem Krach zerbrach und dort noch viele Tage lag.
Verängstigt mit gesenktem Blick schlich ich nach Hause mich zurück.
Ich fühlte mich als Bösewicht, gesagt hab ich das aber nicht.
Den so verkorksten Käferfang vergess ich nicht mein Leben lang!


Auszug von Wilhelm Zentgraf geb.03.05.1898 (1976)
[Aus der Reihe: 'Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg/Harz, Heft 4 - 100 Jahre Schule, nach Erzählungen von Stolbergerinnen und Stolbergern', mit freundlicher Genehmigung von S. Oppermann.]



Begegnung im schweren Gewitter Von Friederike Jung, geb. Münch (1972 )

Jeder Stolberger kennt wohl das bange Gefühl, das einen beschleicht, wenn sich über dem Hainfeld und Ludetal schwarze Gewitterwolken zusammenballen, kein Sonnenstrahl durch die Baumkronen dringt, der Wald so unheimlich still ist, nur hin und wieder ein Vogel heimlich piept, Eichhörnchen von Baum zu Baum huschen und fernes Donnergrollen zu hören ist.
An einem solchen gewitterschwülen Tag gingen mein Bruder Willy und ich, um die Mittagszeit aus der Schule kommend, den Breitensteiner Fußweg hoch. Willy mahnte:
„Kumm, mach en bisschen schneller, dass mer heime sin bevor's losgeht !" Aber wir kamen nur bis zur Hälfte des Weges. Als wir den Zwieselsberg verlassen und die breite Allee oberhalb des Röhrenteiches am Beckersberg erreicht hatten, entlud sich das Gewitter mit voller Stärke. Blitz und Donner, Schlag auf Schlag. Der Sturm peitschte in den Kronen der Buchen, es goss in Strömen und im Nu waren wir pitschenaß. — Aber wir nicht allein !Unweit von der Kreuzallee, an der hohlen Buche ( die Buche war übrigens unser Blumentopferdelieferant), begegnete uns Ihre Durchlaucht Fürstin Auguste in Begleitung ihrer Hofdame und des Prinzen Albrecht. Alle drei waren genauso durchnässt wie mein Bruder und ich. Trotz strömenden Regens gabs noch Diener und Knicks, eine kurze Unterhaltung, in deren Verlauf Fürstin Auguste fragte, ob wir keinen Regenschirm hätten, was von uns wahrheitsgetreu verneint wurde. „Regenschirm? Nein, den brauchen wir nicht, wir müssen doch die Milchkannen alle Tage mitnehmen für unsere Milchkunden im Schloss und am Schlossberg" meinte Willy großartig. Durchlaucht und Begleitung lachte.

Wenige Tage nach dem Unwetter überreichte uns Torwart Worges jeden einen Regenschirm. Durchlaucht hatte die Schirme liebenswürdigerweise vom Hoflieferanten Eduard Fritsche besorgen lassen mit dem Bemerken, dass wir uns bei Durchlaucht bedanken könnten, wir würden die Herrschaften auf der Allee treffen, was dann auch geschah.
Ich habe meinen Regenschirm viele Jahre als liebes Andenken gehabt. Willys Schirm ging in die Brüche, als er bei Regenwetter die Kühe und den halbwüchsigen Bullen von der Weide holte. Das junge Tier scheute vor dem aufgespannten Regenschirm, nahm ihn auf die Hörner, wurde dadurch noch wilder und zertrampelte ihn, was ihm Schimpfe von Mutter einbrachte. Die hohle Buche steht schon lange nicht mehr, lebt aber noch in meiner Erinnerung, wie auch alle damals Beteiligten.

Auszug von Freiderike Jung, geb. Münch (1972)
[Aus der Reihe: 'Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg/Harz, Heft 4 - 100 Jahre Schule, nach Erzählungen von Stolbergerinnen und Stolbergern', mit freundlicher Genehmigung von S. Oppermann.]