Der erste Scholtog

Alte Ansichtskarte von der Schule.
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In der Stadt- /Volksschule wurden Jungs und Mädchen gemeinsam ausgebildet, nur in den höheren Schulen wurde z. Teil getrennt (z.B. höhere Töchterschule/ höhere Mädchenschule wurde auch die Schule 1911 mit 2 Schulhöfen ausgestattet. Aber egal wo man hinhört und was man hört — aus allen ist etwas Ordentliches geworden und alle denken doch öfter an ihre Schule und ihre Lehrer. Manchmal auch mit einem Zwinkern in den Augenwinkeln, wenn man sich trifft und sagt: „... weißt du noch...?"

Aus Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg /Harz, Heft 4:

Erzählungen ehemaliger Schülerinnen und Schüler
Dar erste Scholtog

Von Hilde Pöllinger (geb. Polte)

Veele Johre sin drewwer henjegangen, awer ich erinnere mich jenaue drahn, wie es hieß:
„Nun musste in de Schole." Erscht kunnte ich das gor nich richtich verstehe, weil ich nach so kleine war. Awer miene Mutter hät mich des erkläret, wemme sechs Johre old is, muß me ahnfange was ze lerne.
Wie nune dar Tog ran kom, het mich miene Mutter scheene jemacht un's Sunntogsklied anjetreckt. Ich dachte nune, dass ich alleine in de Schole geh misste, awer de Mutter zog sich a scheene ahn. Se fasste mich an dar Hand un me machten uns uffen Weg in de Schole.
Wie me dort warn, sak ich noch annere Wänste met ehrn Müttern. Do ließ mine Angest schon e bisschen noch, mie kannten jo alle. Miene Jedanken warn nune schon ganz in dar Schole, - met wän kommste woll uff ne Bank un welcher Lehrer kimmet bei uns inne Klasse?
Veele Ziet hatt ich nich mich darmet zu befasse.
Met emol gink de Tere uff un es kam ne janze Menge Lehrers rus. Einer hät en Zettel in dar Hand un hett unse Nomen uffjerufen. Ich ha mich gliech wedder hinger miner Mutter varsteckt als mie Nome uffjerufen worde. Es hett awwer nischt jenutzt, ich musste wedder bei de Annern.
Met emol kam dar Osterhase, er het zwei Zuckertieten in Arme jehatt. Er het so allerhand erzählt, awer das ha mie jo ver Uffrejunk nich verstann. Er machte sich dran, de Zuckertieten zu verteiln — das wor spannend. Me han alle ein jekreit, un das wor so scheene.
Nachhern mussten mie uns noch ner Prozedur ungerziehe, Herr Wiedling wollte en Bild von uns alln mache. Das soll sich nune mol einer verstelle, met dar Tiete so lange stille ze stehn. De Lehrer un dar Osterhase stellten sich owene hen, uns Wänste gruppierte Herr Wiedling uff de Plätze, - wie ofte isse unger sin schwarzen Tuche verjekommen un het uns so henjestellt wie er's fer richtich hielt. Me kunnten de Zuckertieten bole nich mehr holn.

Wie de Prozedur verbei wor, simme endlich Heime un han erscht mol den Krom us dar Tiete uffen Tisch jeschett. De scheensten Sachen kamen wedder rin un fer de Jeschwister wurde was drußen jelassen.

Autor: Hilde Pöllinger, geb. Polte
[Auszug aus "das Vorwort aus der Reihe: 'Geschichten, Schnärzchen, und andere Begebenheiten von und über Stolberg/Harz, Heft 4 - 100 Jahre Schule, nach Erzählungen von Stolbergerinnen und Stolbergern', mit freundlicher Genehmigung von S. Oppermann.]